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Die Macht der Kleinen

Aktuell bin ich dabei meine Konten bei der Postbank aufzulösen und zu vertrauenswürdigen Banken wie der GLS zu transferieren. Gründe dafür und Motivation für ethisches Handeln in diesem Gastbeitrag von Michael Gienger.

Zwei Ansprachen zu verschiedenen Anlässen haben mich in den vergangenen Wochen sehr bewegt. Die erste ist bereits 19 Jahre alt, findet dank YouTube aber derzeit neue Verbreitung. 1992 fand in Rio de Janeiro die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung statt, auf der die sog. „Agenda 21“, ein entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert, beschlossen wurde (mehr dazu finden Sie hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Agenda_21). Auf dieser Konferenz kam für knapp sieben Minuten ein zwölfjähriges Mädchen namens Seven Suzuki zu Wort, das extra aus Kanada angereist war, um der Welt eine Botschaft zu übermitteln, die leider heute immer noch so aktuell ist, wie damals. Bitte nehmen Sie sich diese sieben Minuten Zeit, ehe sie weiterlesen. Hier ist der YouTube Link zur Rede von Seven Suzuki:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=H1N7XcbmMT8[/youtube]

Dieses Video spricht für sich selbst. Es braucht keinen Kommentar. Doch wie sieht es nun heute aus, 19 Jahre später? Leider keinen Deut besser, wie eine zweite Rede vor Augen führt: Jean Ziegler, der ehemalige UN-Sonderbotschafter für Ernährung, war eingeladen, die Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele 2011 zu halten. Doch dann wurde er wieder ausgeladen und die Eröffnungsrede hielt Joachim Gauck. Warum wohl? Die Antwort darauf findet sich in der Rede selbst, die inzwischen unter dem Titel „Der Aufstand des Gewissens“ veröffentlicht wurde und online beim ARD nachzulesen ist.

Es gibt die Rede auch als kleines Büchlein für 2,50 € zu kaufen: Jean Ziegler, Der Aufstand des Gewissens, ecoWIN Verlag, ISBN 978-3-7110-0016-3. Bitte lesen Sie auch diese Rede, ehe Sie mit diesem Artikel fortfahren. Sie brauchen auch hierfür nur fünf bis sieben Minuten. Die Rede gibt es auch als YouTube Video:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=74ppqi8vhlU[/youtube]

Beide Ansprachen haben mich unweigerlich zu denselben Gedanken gedrängt: WAS KÖNNEN UND MÜSSEN WIR TUN, DAMIT DIESER WAHNSINN ENDLICH AUFHÖRT? Jean Ziegler hofft auf eine Radikal-Opposition in den westlichen Ländern. Diese Hoffnung teile ich nicht. Auch das Spiel der radikalen Oppositionen und Revolutionen gehört zu den „alten Machtspielen“, die leider nie eine Verbesserung gebracht haben. Die Geschichte zeigt, dass es weder dem russischen Volk, noch dem chinesischen dank ihrer durchaus berechtigten Revolutionen besser ging. Und ich fürchte, wir werden feststellen müssen, dass auch die arabischen Völker nach ihren Umstürzen wieder verraten werden. Eine dauerhafte Lösung entsteht nicht durch das Stürzen von Regierungen, sondern durch eine Änderung des gesamten Systems. Und die ist durchaus möglich und gar nicht so schwer, wie man uns glauben macht.

Als Beispiel möchte ich gerade das Thema „Ernährung“ aufgreifen, das Jean Ziegler zu seiner Rede veranlasste. Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos das Doppelte der Weltbevölkerung normal ernähren, berichtet der World-Food-Report der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations, http://www.fao.org). Es gibt, wie Jean Ziegler sagt, also keinen objektiven Mangel – ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet!

Doch warum wird die Nahrung, die ja vorhanden ist, nicht besser verteilt? Warum werden die Ressourcen landwirtschaftlich nutzbaren Bodens in Afrika südlich der Sahara nur zu 3,8% genutzt? Warum wird nicht mehr in Bewässerung investiert? Wer hat ein Interesse daran, dass die Zustände so bleiben, wie sie sind? – Ganz einfach: Diejenigen, die Milliarden damit verdienen! Auch Nahrungsmittel sind längst Spekulationsobjekte geworden und die besten Profite werden bekanntlich mit Mangelware erzielt. Je geringer das Angebot und je höher die Nachfrage, desto mehr steigt der Preis! Das eherne Gesetz des Marktes. Und dass das Angebot kleiner bleibt, als die Nachfrage, da kann man ja noch etwas nachhelfen. Zitat Jean Ziegler: „Wegen des Zusammenbruchs der Finanzmärkte sind die Hedgefonds und andere Groß-Spekulanten auf die Agrarrohstoffbörsen (Chicago Commodity Stock Exchange, u. a.) umgestiegen. Mit Termingeschäften, Futures, etc. treiben sie die Grundnahrungsmittelpreise in astronomische Höhen.“

Doch wie funktioniert so etwas eigentlich? Für und „Normalverbraucher“ erscheinen diese Spielchen immer etwas unverständlich und undurchschaubar. Dabei sind sie ganz einfach. Machen wir einmal einen kleinen Exkurs ins Spekulantentum am Beispiel Getreide:

Früher gab es den Bauern, der das Getreide anbaute, den Müller, der es zu Mehl verarbeitete und den Bäcker, der daraus Brot und Brötchen schuf. Alles spielte sich regional ab, die Wege waren kurz, daher konnte der Bauer sein Getreide selbst zur Mühle bringen, wo der Bäcker wiederum das Mehl abholte. Dass die Müller dabei einen guten Profit machten und viele Kinder ernähren konnten, lässt sich – nebenbei bemerkt – noch heute an der Zahl der deutschen Nachnamen ablesen. Dennoch war dieses System ein einfaches und stabiles System. Lediglich die Natur brachte mit guten und schlechten Jahren Unsicherheit hinein, die jedoch mit guter Planung und Lagerung aufgefangen werden konnte. Ach ja, und da waren noch die „Hohen Herren“, die nichts dazu beitrugen, aber dennoch etwas von dem Getreide für sich beanspruchten. Angeblich weil sie für den Schutz des kleinen Mannes sorgten. Das nannte sich dann „Steuern“, wenn es legal war, oder „Schutzgelderpressung“, wenn es illegal war. Beides ist jedoch immer eine gewisse Belastung für das System.

Als die Städte wuchsen und die Äcker, Mühlen und Bäckereien sich zunehmend in größerer Entfernung zueinander befanden, kamen die Händler dazu, die bei den Bauern das Getreide aufkauften und den Mühlen lieferten, und dort wiederum das Mehl kauften und zu den Bäckereien brachten. Für diese Transportdienstleistung, die mit Mühe, Kosten, Gefahren (Räuber) und Schutzgeldern (Steuern) verbunden war, beanspruchten sie natürlich auch einen Teil des Profits. Daher war das Brot in der Stadt teurer, als auf dem Land. Dennoch war es noch immer ein einfaches und stabiles System. Und so blieb es auch bis vor kurzem. Dann hat sich etwas geändert.

Erst vor wenigen Monaten hat mir ein befreundeter Landwirt das erklärt: Früher ging er nach der Ernte zum Getreidehändler, der ihm – je nachdem, ob es insgesamt eine gute oder schlechte Ernte war – einen bestimmten Preis bot. Er konnte durchaus auch ein paar Tage darüber nachdenken, ehe er das Getreide verkaufte. Geht er heute jedoch zum Getreidehändler, ruft dieser zuerst seinen Börsenmakler an, um sich nach dem Getreidepreis an der Börse zu erkundigen. Je nachdem fällt dann das Angebot aus. Doch wenn er, der Landwirt, dann ein paar Stunden darüber nachdenkt und zurück kommt, um das Geschäft abzuschließen, dann wird zuerst wieder der Börsenmakler angerufen, denn der Getreidepreis könnte sich längst verändert haben. Es haben also weder der Bauer, noch der Händler, noch der Müller, noch der Bäcker Einfluss auf den Getreidepreis. Den bestimmen allein die Spekulanten an der Börse!

Doch wie geht das? Ganz einfach: Es braucht dafür nur jemanden mit viel Geld (!), der viel Getreide auf einmal einkauft. Das Getreide muss dafür nicht einmal aus seinem Lagerhaus bewegt werden. Es kauft einfach jemand das Besitzrecht daran. Das nennt man dann eine „Aktie“ (= juristischer Anspruch auf den Besitz oder Gewinn einer Sache). Das kann sogar schon vor der Ernte (!) erfolgen, dann kauft der Betreffende eben die Option (= das Vorrecht) daran. Wie auch immer, das solcherart aufgekaufte Getreide ist für den regulären Handel vom Bauern zum Bäcker zunächst blockiert. Es liegt irgendwo herum, darf aber nicht verarbeitet werden. Dadurch entsteht eine künstliche Verknappung, ein Mangel. Der Preis steigt. Hat sich das Getreide dann genügend verteuert, wird es doch verkauft (die Aktien und Optionen werden „abgestoßen“) und der betreffende Spekulant streicht den Gewinn ein. So funktioniert das.

Spekulanten tragen also nichts sinnvolles, aber auch gar nichts, zur gesamten Produktionskette vom Bauern bis zum Bäcker bei. Sie bieten nicht einmal den angeblichen „Schutz“, für den der Staat Steuern und die Mafia Schutzgelder kassiert, im Gegenteil, ihre Spekulation macht das ganze System sogar unsicher. Sie geben nichts und kassieren doch. Daher sind sie, wie Jean Ziegler sagt, tatsächlich Halunken. Sie sind die Schmarotzer, die für die gesamte weltweite Misere im Augenblick verantwortlich sind. So, und damit könnten wir uns nun wunderbar über die Spekulanten und ihre miesen Geschäfte aufregen, uns ereifern, hätten endlich „die Schuldigen“ gefunden – und würden doch nichts ändern. Denn wir spielen dieses Spiel mit! Auf Seiten der Spekulanten! WIR sind ihre heimlichen Auftraggeber! – Das glauben Sie mir jetzt nicht? Dann möchte ich Sie bitten, noch etwas weiter zu lesen:

Wenn Sie jetzt Ihr Sparbuch räumen und versuchen, das Spekulanten-Spiel mitzuspielen, werden Sie feststellen, dass Sie mit ihrem Ersparten keinen wesentlichen Einfluss auf den Getreidepreis nehmen können. Wie ich oben schon geschrieben habe, braucht es dafür jemanden mit VIEL GELD. Dafür reichen nicht einmal Millionen, dafür braucht’s Milliarden. Nur mit richtig viel Geld kann man durch Aufkäufe tatsächlich eine nennenswerte Verknappung erzeugen und so den Preis nach oben manipulieren. Die „kleinen“ Anleger können nur versuchen, in diesen Auf- und Abwärtsbewegungen mitzuschwimmen, gemacht werden diese von den „Großen“. Doch wer hat so viel Geld? Jean Ziegler nennt sie die „Hedgefonds und Groß-Spekulanten“. Was Hedgefonds genau sind, finden Sie bei Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Hedgefonds), „Groß-Spekulanten“ kann man darüber hinaus auch mit Großbanken (Rothschild, Rockefeller etc.) und Großkonzernen gleichsetzen. Das macht die Angelegenheit schon etwas klarer.

Doch woher haben diese Fonds und Spekulanten das viele Geld? – Jetzt wird’s spannend: Von uns! Es ist tatsächlich UNSER GELD, das wir ihnen geben, damit sie ihre miesen Spielchen spielen können. Das glauben Sie mir immer noch nicht? Dann schauen Sie doch bitte einmal in Ihr Portfolio: Haben Sie ein Sparbuch? Wenn ja, bei welcher Bank? Haben Sie eine Renten- oder Lebensversicherung? Wenn ja, wo wird dieses Geld angelegt? Ist es vielleicht sogar eine „fondsgebundene“ Versicherung, die in der Regel mehr Rendite verspricht? Haben Sie das Wörtchen „fonds“ wiedererkannt? Das bedeutet, dass Ihr Geld in genau diese o.g. Hedgefonds fließt! Haben Sie vielleicht selbst Aktien, Optionsscheine etc.? Wenn ja, woran sind Sie dann beteiligt? Welcher von anderen erwirtschaftete Gewinn fließt per Dividende in Ihre Tasche? Und so weiter und so fort… – Werde ich mit meinen Fragen unangenehm? Ja, es ist leicht, auf die bösen Spekulanten zu schimpfen, aber es ist hart, zu erkennen, wie und wo wir uns selbst an diesen Spielchen beteiligen.

Denn dann stellt sich die Frage: WARUM tun wir das eigentlich? – Auch hier ist die Antwort ganz einfach: Weil wir alle glauben, wir könnten UNSER GELD FÜR UNS ARBEITEN LASSEN! Eine witzige Idee, denn sie ist völlig irreal. Geld arbeitet nicht. Ich habe ein paar Münzen auf dem Schreibtisch liegen, die haben sich seit Tagen nicht von der Stelle gerührt. Wie kommt es dann, dass Geld auf dem Sparbuch oder in einem Aktienfonds „mehr“ wird? Wieso erhalten wir dann „Zinsen“ dafür, dass wir es auf der Bank deponieren? Ganz einfach, weil es dann gemeinsam mit dem vielen, vielen Geld vieler, vieler anderer dafür verwendet werden kann, durch Aufkäufe, zeitweiliges Blockieren und Erzeugen künstlichen Mangels Preise in die Höhe zu treiben, sich also hinterrücks an der Arbeit und dem Gewinn anderer zu bereichern. Geld allein arbeitet nicht! Aber man kann es dazu verwenden, Geschäftsvorgänge zu manipulieren und den Gewinn, den andere erarbeitet haben, einzusteichen. Jeden Cent, den wir als Zinsen für scheinbar „herumliegendes“ Geld bekommen, hat eigentlich jemand anderes erarbeitet! Dessen müssen wir uns klar sein, wenn wir unser Geld „für uns arbeiten“ lassen wollen.

Denn der Grundgedanke, den wir haben, wenn wir „unser Geld für uns arbeiten lassen“, ist der Grundgedanke aller Spekulation: ETWAS ZU BEKOMMEN, OHNE ETWAS DAFÜR ZU TUN. – In anderen Zusammenhängen nennt man das übrigens „kriminell“. Lateinisch „crimen“ bedeutet „Schuld“. Ein Krimineller, der etwas nimmt, ohne etwas dafür zu geben, steht eigentlich in der Schuld des anderen…

Diese Gedanken sind wirklich nicht angenehm und waren es auch für mich nicht. Aber ich bin der Ansicht, dass wir uns ihnen stellen müssen, wenn wir wirklich nach einer echten Lösung streben. Denn wollen wir es tatsächlich weiterhin dulden, dass alle fünf Sekunden ein Kind verhungert? Dass also alle fünf Sekunden ein Kind ermordet wird? Können wir das überhaupt noch dulden, wenn wir erkennen, dass dieses Blut auch an unseren Fingern klebt – solange wir unser Geld für das „Spiel der Spekulanten“ zur Verfügung stellen?

Wenn wir uns diesen Tatsachen in aller Konsequenz stellen, bleibt eigentlich nur der Schluß, dass wir unser Geld den Spekulanten entziehen müssen. Diesmal hilft nicht einmal die Ausrede: „Mach ich’s nicht, machen’s andere!“, denn wenn wir unser Geld den Spekulantenspielen entziehen und sinnvoll einsetzen, dann springt kein anderer für uns in die Bresche und ersetzt den von uns „entzogenen“ Betrag. Wir haben zu 100% die Entscheidungsfreiheit, was mit unserem Geld geschieht! Das ist DIE MACHT DER KLEINEN!

Nun, der Appell, den Spekulanten das Geld zu entziehen und es stattdessen sinnvoll einzusetzen, ist nicht neu. Nur wird meistens nicht gesagt, WIE das gemacht werden kann. Und dann bleibt dieser Appell so wirkungslos wie Jean Zieglers Hoffnung auf eine „Radikal-Opposition“. Oder anders ausgedrückt: Es nützt nichts, radikal dagegen zu sein, wenn wir gleichzeitig das „alte Spiel“ weiter finanzieren. Schauen wir uns daher einmal an, wie wir tatsächlich zu einer Verbesserung des Lebens beitragen können:

Dazu sollten wir zunächst einmal anschauen, wie Geld, das anderweitig gerade nicht benötigt wird (das also auf unserem Sparbuch liegt oder das wir für unsere Altersvorsorge oder spätere Anschaffungen zurück legen wollen), sinnvoll eingesetzt werden kann. Und dafür müssen wir kurz schauen, wie tatsächlich „echte Werte“ entstehen:

Ein „echter Wert“ ist immer verbunden mit einem guten Produkt oder einer guten Leistung. „Gut“ bedeutet hierbei, dass das Produkt oder die Leistung von jemandem gewünscht und gebraucht wird und ihm tatsächlich den gewünschten Nutzen bietet. Dann hat das Produkt oder die Leistung für den Betreffenden einen Wert. Ein Gerät hat seinen Wert, wenn es funktioniert (und das möglichst über längere Zeit), eine Massage hat ihren Wert, wenn ich mich hinterher wohlfühle, ein Buch hat seinen Wert, wenn es mir nützliche Informationen oder gute Unterhaltung bietet etc. etc. – Geld ist hierbei nichts anderes als ein Maßstab zur Bemessung des jeweiligen Werts, damit die verschiedenen Produkte und Leistungen ausgetauscht werden können. Geldbeträge sind also nur Zahlen, die erst in Verbindung mit einem guten Produkt oder einer guten Leistung einen REALEN Wert bekommen (so wie die Zahl „3“ für sich allein gar nichts ist, „3 Äpfel“ dagegen sind eine reale Sache). Für sich allein ist Geld folglich NICHTS. Für sich allein ist es nichts wert! Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit einem Koffer voller Geld als Schiffbrüchiger auf einer einsamen Insel. Sie können NICHTS damit anfangen. Geld allein ist nichts wert! Erst wenn Sie ein Kreuzfahrtschiff rettet, können Sie mit dem Geld wieder irgendetwas reales eintauschen – sofern die Währung in ihrem Koffer dort akzeptiert ist. Haben Sie einen Koffer voller nordkoreanischer Won dabei, könnten Sie Pech haben…

Geld ist also nur ein Tauschmittel (und nur gültig, wenn man es akzeptiert, also an seine Tauschkraft glaubt), das nur in Verbindung mit einem guten Produkt oder einer guten Leistung einen realen Wert bekommt. Folglich ist Geld am sinnvollsten dort eingesetzt, wo es der Schaffung guter Produkte und guter Leistungen dient. Nur dort bekommt es einen realen Wert und nur dort dient es dazu, dass weitere Wertschöpfung entsteht.

Wird Geld dazu eingesetzt, dass ein Landwirt gutes Saatgut kaufen kann (also nicht dieses kranke, genmanipulierte Zeug, das spritzmittelabhängige Kümmerlinge erzeugt), dann ist der Nutzen des Saatguts der reale Wert, den das Geld bekommt. Wird dieses ausgesät und eine reiche Ernte eingefahren, ist eine reale Wertschöpfung entstanden.

Dasselbe gilt in der Industrie: Wird Geld dazu eingesetzt, eine Maschine zu entwickeln, die gute Produkte herstellt, dann ist der Nutzen dieser Maschine der reale Wert, den das Geld erhält. Und wenn die hergestellten Produkte den Kunden der Firma wiederum einen echten Nutzen bieten, dann ist dieser Nutzen die hier geschaffene Wertschöpfung.

Aber wir sehen schon: Das Geld an sich macht gar nichts! Es ermöglicht nur bestimmten Menschen, tätig zu werden (Saat aussäen, Maschine entwickeln) und neue Werte zu schaffen (reiche Ernte, gute Produkte). Geld ist also nur das „Schmiermittel“ im Produktionsprozess, die Arbeit selbst muss nach wie vor von Mensch und Natur getan werden, und es ist und bleibt NUR der Tätigkeit von Mensch und Natur vorbehalten, gute Produkte und Leistungen und damit eine reale Wertschöpfung zu schaffen!

Als „Schmiermittel“ macht Geld jedoch Sinn. Bitte, ich rede hier nicht vom Schmieren der Politiker oder anderweitiger Korruption (obwohl man allen korrupten Leuten wirklich „eine schmieren“ sollte!), sondern davon, Geld einzusetzen, um dem Schaffen guter Produkte und guter Leistungen zu nützen. Oder anders ausgedrückt: Es sinnvoll (!) zu investieren, es also nutzbringend in einen Produktionsprozess einzubringen.

Denn das unterscheidet den wahren „Investor“ von einem „Spekulanten“: Ein wahrer Investor gibt Geld dafür, dass etwas entwickelt oder angeschafft wird oder dass Menschen bezahlt werden, die eine bestimmte Arbeit tun, mit dem Ziel, dass daraus eine reale Wertschöpfung (gute Produkte, gute Leistungen) entstehen. Aus dem entstehenden Gewinn erhält er sein Geld zurück, und da sogar mehr Werte entstanden sind, als eingesetzt wurden, ist auch eine Gewinnbeteiligung nur fair. Wenn diese Gewinnbeteiligung nicht ALLEN Gewinn raubt oder sogar MEHR abzieht, als überhaupt an neuen Werten geschaffen wurde, ist eine solche Investition ein Vorgang, bei dem alle gewinnen: Der Investor durch die Gewinnbeteiligung, die Firma dadurch, daß sie produzieren und Gewinn erwirtschaften kann, die beteiligten Menschen durch den Lohn für ihre Arbeit (sofern es ein fairer ist), die Kunden durch das gute Produkt, das sie erhalten und letztendlich sogar das ganze Gemeinwesen durch all die Steuern, Abgaben etc. (sofern diese tatsächlich dem Gemeinwesen dienen und nicht in Kriege, Waffen etc. gesteckt werden). Eine sinnvolle Investition von Geld kann also auf allen Ebenen eine nützliche und hilfreiche Angelegenheit sein. Ein Hoch daher auf alle, die sinnvoll investieren!

Spekulanten gehen ganz anders vor. Sie investieren nicht in sinnvolle Produktion. Sie überlassen Anschaffungen, Entwicklungen, Arbeitslöhne und unternehmerische Risiken anderen und stürzen sich dann auf die bereits fertigen Produkte, ob das nun Nahrungsmittel oder Industrieprodukte sind. Diese werden in Massen eingekauft (das macht den Einkaufspreis billig), künstlich verknappt (das treibt den Preis in die Höhe) und dann wieder abgestoßen. Und dabei schert es keinen Deut, ob der Produzent dabei eingeht (aufgrund der anfangs gedrückten Billigpreise), ob die beteiligten Arbeiter zu fairen Konditionen arbeiten (oder aufgrund eben jener Billigpreise auch nur Billiglöhne bekommen) oder ob es am Ende Kunden gibt, die sich das künstlich verteuerte Produkt gar nicht mehr leisten können, so wie sich jetzt z.B. viele Entwicklungsländer keine Nahrungsmittel mehr leisten können, um auf unser Eingangsthema zurückzukommen. Spekulanten ist all das auf gut Deutsch scheissegal! (Bitte verzeihen Sie mir meine Wortwahl, doch es gibt keinen Begriff, der diese menschenverachtende Haltung in ihrer Niederträchtigkeit wirklich treffend bezeichnet.) Wie schon eingangs dargestellt, tragen Spekulanten NICHTS SINNVOLLES zum Produktionsprozess bei! Sie nutzen lediglich die Macht des Geldes (die wir ihnen überlassen!), um sich auf die Produkte zu stürzen, künstlich die Preise in die Höhe zu treiben und sich so schmarotzend am Gewinn, d.h. der Wertschöpfung anderer zu laben. Und wenn wir ihnen dafür Geld geben, schmarotzen wir mit!

Worauf sollten wir also achten? Wenn wir unser Geld anlegen oder investieren wollen, sollten wir folglich darauf achten, dass es nicht zu Spekulationszwecken verwendet wird. Also Finger weg von diesen Hedgefonds und allen „Bankprodukten“, die indirekt solche Fonds bedienen (fondsgebundene Versicherungen etc.). Stattdessen ist es besser, Geld dort anzulegen, wo es sinnvoller Wertschöpfung dient, also der Schaffung guter Produkte und guter Leistungen nützt. Die GLS-Bank, die gezielt nur ethische, soziale und ökologische Projekte unterstützt, fasst dies in ihrer Werbung (siehe: http://www.gls.de) auf witzige Weise zusammen:

  • Was macht Ihr Geld auf einem Bio-Bauernhof? – Sinn.
  • Was macht Ihr Geld in einem Kindergarten? – Sinn.

Ich denke, ich brauche nicht extra hervorzuheben, wohin ich meine Bankkonten transferiert habe. Das Motto der GLS-Bank „Geld ist für die Menschen da!“ spricht mir aus dem Herzen und ich verfolge die Geschäfte dieser anthroposophischen Genossenschaftsbank nun schon seit Jahren: Sie tun tatsächlich, was sie sagen! Jeder Genosse, d.h. Anteilsinhaber (mit einem kleinen Beitrag ist man dabei) erhält einen regelmäßigen Bericht, in dem u.a. aufgelistet wird, wohin welche Beträge vergeben wurden. Eine Bank mit völliger Transparenz also, die nachweislich und nachvollziehbar nur sinnvolle und ethische Projekte und Produkte unterstützt. Es geht auch anders!

Doch es muss nicht gleich die GLS-Bank sein. Sinnvolle Produkte gibt es auch bei der Umweltbank (http://www.umweltbank.de) oder anderen Banken. Dass z.B. die Volks- und Raiffeisenbanken (ebenfalls Genossenschaftsbanken!) zumindest etwas anders wirtschaften, als die Großbanken, hat die jüngste Bankenkrise offenbart. Während die Großbanken (allesamt AGs und damit in Händen der Fonds und noch größerer Banken wie Rothschild und Rockefeller) schön die Hand aufhielten und sich das verzockte Geld vom Steuerzahler erstatten ließen, war das bei den Volks- und Raiffeisenbanken nicht der Fall. Sie hatten gut gewirtschaftet und benötigten keinen Cent. Und warum? Weil sie mit ihrem Geld die lokalen mittelständischen Betriebe unterstützten, die sich überwiegend um gute Produkte bemühen, sowie die Häuslebauer mit ihrem Eigenheim, was auch ein durchaus gutes Produkt ist. Sprich: Sie investierten (im obigen Sinne), statt zu spekulieren.

Diese Geschäftsphilosophie geht übrigens auf Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 – 1888) zurück, einem der Gründer der genossenschaftlichen Bewegung in Deutschland und Namensgeber der Raiffeisenorganisation (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Raiffeisen). Dessen Idee war, dass die Menschen einer Region sich zusammentun und gemeinsam ihre eigene Bank gründen sollten. Der Einzugsbereich jeder dieser Banken sollte „nicht größer als ein Kirchspiel“ sein, also den Radius nicht überschreiten, in dem die Menschen damals sonntags zur Kirche zusammen kamen. Damit würde der Kreis überschaubar bleiben und die Genossen der Bank könnten selbst darüber entscheiden, was mit ihrem Geld gemacht wird. Eine wirklich gute Idee von fast schon prophetischer Voraussicht! Zwar sind die Volks- und Raiffeisenbanken durch Fusionen heute meist deutlich größer als ein „Kirchspiel“, doch die Grundidee Raiffeisens beeinflusst noch immer die Geschäfte. Eine einzelne Bank, die tatsächlich zu 100% im Sinne Raiffeisens arbeitet, ist übrigens die Raiffeisenbank Gammesfeld in der Hohenlohe (siehe: http://www.taz.de/!32169/). Sie wurde 2002 bekannt durch den Film „Schotter wie Heu“ (http://www.schotterwieheu.de).

Damit möchte ich nur Beispiele aufzeigen und weder für die GLS-Bank, die Umweltbank oder die Volks- und Raiffeisenbanken Werbung machen. Denn gerade letztere bieten Anlegern auch Fonds-Wertpapiere oder fondsgebundene Versicherungen. – Es bleibt also in unserer Verantwortung, im Einzelfall genau hin zu schauen, was mit unserem Geld geschieht und welches „Spiel“ wir damit unterstützen. Sinnvolle Investition ja – wilde Spekulation nein! Die höchste Rendite gibt es meist bei der Spekulation, doch davon sollten wir Abstand nehmen, wenn wir nicht Schaden verursachen und uns an der Ermordung hungernder Kinder beteiligen wollen. Und das wirft uns zurück auf uns selbst, auf unsere eigene Gier, die es uns schwer macht, unser Geld nicht in dieser Weise „für uns arbeiten zu lassen“…

Doch wir sollten uns im Klaren sein, dass WIR es in Händen haben, welches Spiel in dieser Welt gespielt wird! Wir haben DIE MACHT DER KLEINEN und können die Geschicke ändern. Nicht durch eine Radikal-Opposition („dagegen sein“ ändert gar nichts), sondern durch eine Änderung unserer Einstellung (Bescheidenheit, Mitgefühl und der Wunsch, Sinnvolles beizutragen – statt Gier und das Bestreben, etwas zu erhalten ohne etwas dafür zu tun) und unseres Handelns. Entziehen wir unser Geld konsequent den Spekulanten (dann hängen wir auch nicht drin, wenn Ihre Banken zusammenfallen) und geben wir es dorthin, wo sinnvoll investiert wird, wo es weltweiter Ernährung und Gesundheit, guten Lebensbedingungen, Bildung, Fair Trade, Menschenrechten, Tierschutz, Umweltschutz, erneuerbaren Energien, besserer Lebensqualität und weiteren Impulsen einer positiven Wertschöpfung dient. Dann tragen wir mit unserem Geld und unserer Macht zu einer tatsächlichen Verbesserung des Lebens bei! Wir können es und wir sind es allen hungernden Kindern dieser Welt schuldig. Lasst es uns einfach tun. Vielen Dank!

Autor:

Michael Gienger arbeitet als Autor, Herausgeber, Seminarleiter, Referent und Initiator von »Fair Trade Minerals«. Zahlreiche Publikationen im Bereich der Steinheilkunde. Michael Gienger beseelt ein Wunsch: Beizutragen zu einer lebenswerten Welt voller Glück und Erfüllung sowie zum Wohle aller Wesen!

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eine persönliche Ergänzung von Michael Gienger:
    Bei all meinen Artikeln bin ich für konstruktive Kritik immer
    dankbar! Sehr schnell erhielt ich nach meinem Artikel „Die Macht der
    Kleinen“ im September-Newsletter den Hinweis, meine Empfehlung der
    Volks- und Raiffeisenbanken noch einmal zu überprüfen. Ich hatte die
    „solidere“ Anlagepolitik der VR-Banken, die in weiten Teilen eher der
    Investition dient (Kredite an mittelständische Unternehmen,
    Häuslesbauer etc.) dem Spekulantentum gegenüber gestellt. Doch nun
    hat sich tatsächlich gezeigt, daß auch die VR-Banken etwas vom
    „großen Kuchen“ (im wahrsten Sinne des Wortes) der Spekulation
    abbekommen wollen und leider ganz üble Fonds auflegen:

    Daher muß ich meine Empfehlung der Volks- und Raiffeisenbanken leider
    zurück nehmen. Denn auch die VR-Banken haben Fonds zur
    Preisspekulation mit Lebensmitteln aufgelegt, was zur
    verachtenswertesten Form der Spekulation gehört. Denn jeder, der auf
    Lebensmittel spekuliert, PRODUZIERT HUNGER UND TÖTET MENSCHEN! Und
    alle machen mit: VR-Banken, Sparkassen, Allianz, Commerzbank und ganz
    vorne dran die Deutsche Bank! Frontal 21 brachte am 18.10.2011 einen
    erschütternden Bericht, den es nun auch auf YouTube gibt:

    Bitte nehmen Sie sich diese 8 Minuten Zeit:
    http://www.youtube.com/watch?v=LtYMa17kHz8

    Was bleibt da noch an positiven Alternativen? Durchaus einiges! Meine
    Recherche ist noch im Gange, daher folgt mehr dazu im
    November-Newsletter. Für heute möchte ich vor allem auf den obigen
    Link hinweisen (man weiß nie, wie lange solche Filme im Netz
    bleiben!). Positive Nachrichten gibt’s in wenigen Wochen im Artikel
    „Die Macht der Kleinen III“.

  2. Pingback: Die Macht der Kleinen – Teil 3 « Business « Verantwortung, Spekulation, Investition, einkaufen, Banken

  3. Zum Thema Postbank: Im Februar 2009 wurden die erste Anteile an die Deutsche Bank übertragen, im November 2010 erwarb die Deutsche Bank die Mehrheit der Anteile und seit Februar 2012 hat die Deutsche Bank den vollständigen Anteil der Deutschen Post übernommen. Die Postbank gehört ihr seitdem zu 93,7%. Mein Geld bei einem Tocherunternehmen der Deutschen Bank zu haben, ist für mich untragbar.

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