Atlasprofilax lautet das Wort, auf das ich in den letzten Monaten aufmerksam gemacht wurde. Bekanntlich schaue ich immer wieder nach interessanten Methoden, dauerhaft die Gesundheit zu erhalten oder diesem Zustand immer näher zu kommen. Ein Bandscheibenvorfall mit immer wieder auftauchenden Schmerzen im LWS-Bereich ist dabei einer meiner Triebfedern, der mich u.a. bereits zur Chinesischen Quantum Methode (CQM) geführt hat. Nun stand ein persönlicher Check der Atlasprophylaxe mittels Atlasprofilax an.
Was ist Atlasprofilax?
DIe Methode Atlasprofilax wurde von R.-C. Schümperli aufgrund eines eigenen langen Leidensweges entwickelt. Laut seiner Ansicht unterliegt der Atlas bei den meisten Menschen nicht nur einer leichten Fehlstellung (Subluxation) von Bruchteilen eines Millimeters, sondern ist stark luxiert (ausgerenkt). Dabei kommt dem Atlas allerdings tragende Bedeutung zu, da durch ihn Hirnnerven, feinste Nervenbahnen, Adern, Rückenmark und Rückenmarksflüssigkeit zum Hinterhauptloch geführt werden. Eine Einengung kann den Informationsfluss zwischen Kopf und Körper stören. Für mich besonders interessant war, dass die Luxation des Atlas Probleme an der gesamten Wirbelsäule verursachen kann, da der Körper diese Schiestellung an anderer Stelle wieder kompensiert, u.a. mit einer Rotation bis zum Kreuzdarmbeingelenk (Iliosakralgelenk) – also genau dort, wo ich seit Jahrzehnten Probleme habe.
Die Anwendung von Atlasprofilax
Durch eine gezielte Massage der Nackenmuskulatur werden Verspannungen gelöst, so dass der Atlas in seine natürliche Lage zurückkehren kann. Dies bedeutet: Er wird NICHT eingerenkt, sondern bewegt sich im Grunde von allein an den richtigen Platz. Mir war dies im Vorfeld nicht ganz klar, so dass ich – eingedenk der Besuche bei Chiropraktikern – ruckartige Bewegungen an dieser sensiblen Stelle befürchtete. Stattdessen handelt es sich hier um eine eher sanfte Technik.
Behandlung und Kosten
Die Behandlung umfasst zwei Termine von jeweils einer Stunde. Beim ersten Termin erfolgt ein Informationsgespräch und der Atlas wird korrigiert. Beim zweiten Termin wurden mir bei dem Atlasprofi, der mir empfohlen worden war, weitere lockernde Vibrationsmassagen gegeben, bei der unter anderem Verkürzungen im Bereich der Beinmuskulatur festgestellt wurden, deren Dehnung und Massagen dann doch schmerzten. Die Kosten beliefen sich auf insgesamt 180 Euro.
Persönliche Wahrnehmung
Nach dem ersten Termin fühlte sich der Bereich der Halswirbelsäule sehr locker und frei an. Während ich sonst nur mit Mühe den Kopf so drehen konnte, dass ich grade ein wenig über die Schulter blicken konnte, kann ich nun fast schon um 180 Grad nach hinten schauen. Klar ist, dass eine solche Veränderung Prozesse im eigenen System auslöst. Sei es auf der Ebene des Knochengerüstes und der Muskulatur, wenn eine nicht mehr vorhandene Fehlstellung nicht mehr kompensiert werden muss und das System die Chance hat, sich neu auszurichten. Sei es auf der Ebene des Stoffwechsels, weil mit dem Auflösen von Blockaden auch Ausscheidungsprozesse angeschoben werden. Oder sei es auf psychischer oder seelischer Ebene, da Blockaden hier stets Äquivalente haben, die nun an die Oberfläche dringen und bearbeitet werden können.
Die Selbstverantwortung des Klienten
Dadurch wird klar, dass Atlasprofilax ein Instrument im Bereich der eigenverantwortlichen Gesundheitsprophylaxe darstellt. Klienten, die einfach nur ein Pille erhalten wollen, um anschließend im üblichen, krankmachenden Trott weiter zu machen, werden eher einen geringen Vorteil aus der Methode ziehen können. So zeigte mir mein Atlasprofi beispielsweise beim ersten Termin eine möglichst optimale Sitzhaltung, um Beckenbereich und die gesamte Statik möglichst flexibel zu halten und neuerliche Verspannungen zu vermeiden. Im zweiten Termin wies er mich auf Fehler meines Ganges hin und zeigte mir eine optimale Variante des Gehens – auch hier der Fokus auf Flexibilität und optimalen Umgang mit dem Körper, der mir anvertraut worden ist. Auch sollten die Reinigungsprozesse beispielsweise durch Salzbäder unterstützt werden usw.
Folgen und weitere Behandlungen
Wie bei vielem lässt sich bei meiner Rückenproblematik die positive Auswirkung erst längerfristig überprüfen. Auch will ich die Aufarbeitung freigelegter Altlasten auf der seelisch-geistigen Ebene mit einer noch ausstehenden CQM-Sitzung begleiten. Um Skepsis ernst zu nehmen, möchte ich auch noch die Aufnahmen der Computertomografie und die Röntgenbilder hervor kramen, die anlässlich der Diagnose meines Bandscheibenvorfalls gemacht wurden. Ob ein luxierter Atlas hierauf nicht vielleicht entdeckt werden kann?
Weitere Behandlungen im Sinne von Atlasprofilax sind laut dieses Konzeptes nicht mehr nötig. Aber es zeigte sich durchaus, dass es Bereiche meines Körpers gibt, die weiterhin gelockert und gedehnt werden müssen. Insofern macht es Sinn, den auserkorenen Atlasprofi und versierter Masseur weiterhin zu besuchen – ein Mal im Monat zum Normaltarif von 60 Euro pro Stunde im Sinne eines eigenen monatlichen Gesundheitstages, begleitet von Sauna oder anderen schönen Dingen.
Kritik an Atlasprofilax
Meine Recherchen im Netz zeigten zum einen, dass die Methode Atlasprofilax oft verzerrt dargestellt wird. Da ist in einem Forum von physio.de von einer halben Stunde Anwendung die Rede, worauf hin die Physiotherapeuten sich über den exorbitanten Stundensatz mokieren. Fakt ist, dass der Stundensatz bei 90 Euro liegt – und das auch nur für die zwei Atlasprofilax-Behandlungen. Soweit ich es verstanden habe, geht ein Teil des Geldes an R. C. Schümperli und die Atlasprofilax AG, genaues findet sich auf der offiziellen deutschen Website nicht. Hier zeigt die Seite einige Schwächen was Ausbildungsbereich etc. angeht – eine Transparenz nach außen fehlt, was grade im Netz eher Zweifel an der Seriösität der Methoden wecken kann.
Mir sind 180 Euro für eine zweistündige Anwendungsform, die nur einmal im Leben vorgenommen werden muss, jedenfalls nicht zuviel, wenn sich dadurch – wie derzeit bei Atlasprofilax zu vermuten – ein eindeutiger Gewinn für meine Gesundheit ergibt. Da können sich die Physiotherapeuten bei Physio.de noch so aufregen. Interessant auch die Borniertheit, die dort in der Diskussion zu entdecken ist. Da entwickelt jemand eine wirklich spannende Methode, doch die Kritiker sind massiv skeptisch, reiten nur auf dem Honorar herum und ignorieren einige hilfreiche Aussagen vollkommen. Ein Armutszeugnis für einige dort auftretende Physiotherapeuten.
Völlig anders reagierte dagegen eine Heilpraktikerin und Physiotherapeutin aus meiner Laufgruppe. Völlig neidlos gab sie zu, dass Atlasprofilax die beste Methode zur Behandlung des Atlas sei. Gleichzeitig wies sie aber auch darauf hin, dass manche Atlasprofis nur noch ihre Methode im Kopf haben und sie als Allheilmittel propagieren, was sie für übertrieben hält. In unserem Gespräch zeigte sie damit einen differenzierten und konstruktiven Umgang. Sie berichtet auch von einem Klienten mit heftigen Verspannungen, bei dem der Atlas entgegen den Versprechen trotz Korrektur nach mehreren Monaten wieder verschoben sei. Mein Atlasprofi entgegnete, dass dies nicht möglich sei, sondern dass das System dieses Menschen sich nur weiterhin so verhalten würde, als sei der Atlas verschoben, da alte Muster sich wieder durchgesetzt hätten. Hier steht Meinung gegen Meinung.
Atlasprofi – Nicht jeder ist zu empfehlen
Ich fühle mich jedenfalls bei meinem Atlasprofi gut aufgehoben. Mehr als zwanzig Jahre Massageerfahrung, Ausbildung in vielen Techniken zeigen hier einfach Wirkung – diesen Mann kann ich bedenkenlos weiter empfehlen. Meine Frau war dagegen ein halbes Jahr vorher bei einem anderen Atlasprofi. Viele wichtige Infos und Ratschläge, die mein Masseur mir auf den Weg gegeben hat, wären dort nicht erfolgt, sagt sie. Dieser Mann – ursprünglich aus einer völlig anderen Branche stammend – würde sich nur darauf beschränken, den Atlas zu korrigieren, nicht mehr. Hier ist wohl nicht Berufung die Triebfeder, nicht der Wunsch, anderen Menschen zu helfen, sondern vermutlich eher der Verdienst. Man zahlt also das gleiche Geld, erhält aber lange nicht die Qualität, die mir begegnet ist. Sicherlich: Der Atlas ist hinterher bei beiden Profis dort, wo er hingehört. Aber den ganzen Gewinn, den mir mein Masseur mitgegeben hat, die gewonnene Achtsamkeit meiner Sitzhaltung und Bewegung gegenüber, den gibt es nicht bei jedem. In einem Forum ist gar nur von einer zehnminütigen Behandlung die Rede. Falls dies stimmt, hätte Atlasprofilax trotz eingetragenen Warenzeichens ein Problem mit der Qualitätssicherung.
Fazit
Das Ergebnis der Anwendung von Atlasprofilax fühlt sich gut an und eine wirklich fundierte Gegendarstellung zu den Ansichten von Herrn Schümperli ist mir noch nirgendwo begegnet. Insofern könnte es zumindest einen Teil der eigenen Gesundheitsprophylaxe darstellen. Die Betonung liegt auf “einen Teil”, da ich den Anspruch von Atlasprofilax, dass ihre Methode das A und O sei, nicht teile und auch nicht seriös finde. Bei der Auswahl eines Atlasprofis empfehle ich dringend, auf Qualität zu achten und nicht zum erstbesten zu gehen. Aus meiner Sicht gehört Atlasprofilax in die Hände von ausgebildeten Physiotherapeuten oder Heilpraktikern, welche dies als integralen Bestandteil eines therapeutischen Gesamtkonzeptes einsetzen – und – wenn noch nicht vorhanden – gleich einen Therapeuten für Geist und Seele dazu empfehlen.
Quellen und weiterführende Verweise
http://www.atlasprofilax.de – Atlasprofilax® Sektion Deutschland e.V.
Endlich frei vom Gewicht der Welt – Informativer Artikel von Ursula Seiler
Interessante Diskussion, sowohl mit positiven Berichten als auch Warnungen bei symptome.ch.
Aufgrund von Anfragen, die ich wegen dieses Artikels erhalten habe, hier die Kontaktangaben zu dem von mir getesteten Atlassprofi:
ZINK Roland
Heimbergerstr. 4
63916 Amorbach
Bayern
Germany
Tel.: 09373 664
Fax: 09373 664
Hier einen seriös wirkende Methode der in gleiche Richtung geht: http://www.atlantotec.com
Vielen Dank für den ausführlichen Bericht! Er schürt Klarheit und Hoffnung. Danke!!